Mehr Schweizer Fisch – nachhaltig und ressourcenbewusst produziert. Die Abhängigkeit von Fischimporten soll sinken, ohne unverhältnismässigen zusätzlichen Bedarf an importierten Futtermitteln sowie an Wasser und Energie zu schaffen.
Dieses Manifest ist eine Einladung. Es richtet sich an Akteure aus Produktion, Verarbeitung, Handel, Gastronomie, Forschung, Behörden und Finanzwirtschaft sowie an Konsumentinnen und Konsumenten, an alle, die regionale Wertschöpfung und einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen nicht dem Zufall überlassen wollen.
1. Wir wollen handeln, bevor Handlungsdruck entsteht
Versorgungssicherheit bedeutet mehr als jederzeit gefüllte Regale. Sie bedeutet auch, über Wissen, Produktionsmöglichkeiten, Fachkräfte und verlässliche Beziehungen zu verfügen, um auf schwankende internationale Märkte oder ausfallende Lieferketten reagieren zu können. Vorsorge beginnt nicht erst in der Krise. Sie beginnt mit Beobachten, Verstehen und gemeinsamem Entscheiden.
Fisch ist ein wertvolles und in der Schweiz stark nachgefragtes Lebensmittel. Doch mehr inländische Produktion ist nur dann ein Gewinn, wenn sie keine neuen Abhängigkeiten schafft oder Umweltbelastungen lediglich verlagert. Deshalb steht für uns nicht Wachstum um jeden Preis im Vordergrund, sondern tragfähiges Wachstum: wirtschaftlich realistisch, ökologisch verantwortbar und gesellschaftlich akzeptiert.
2. Was wir gemeinsam schützen und stärken wollen
Versorgungssicherheit
Inländisches Wissen und zusätzliche Produktionsmöglichkeiten können die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Fischversorgung stärken.
Wasser, Energie und Umwelt
Kreisläufe möglichst schliessen, Wasser mehrfach nutzen, Energie sparsam einsetzen und Belastungen für Natur und Klima gering halten.
Tierwohl und Qualität
Tiergerechte Haltung, gesunde Tiere, transparente Herkunft und hohe Qualitätsstandards schaffen Vertrauen in Schweizer Fisch.
Regionale Wertschöpfung
Produktion, Verarbeitung, Handel und Gastronomie können Arbeitsplätze, Investitionen und Zukunftskompetenz in der Schweiz schaffen.
Wir streben nur so viel zusätzliche Schweizer Fischproduktion an, wie wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich tragfähig ist, und nur unter gemeinsamer Berücksichtigung von Wasser, Energie, Futter, Tierwohl, Umwelt und Wirtschaftlichkeit.
3. Die Schweiz kann mehr – wenn wir gemeinsam handeln
Es fehlt nicht an Engagement. In der Schweiz arbeiten Produzenten, Forschende, Verbände, Unternehmen und Behörden seit Jahren an Lösungen. Was noch fehlt, ist eine übergreifende und verbindliche Koordination zwischen diesen Kräften. Kein einzelner Betrieb kann allein einen Markt entwickeln. Wissenschaftliche Erkenntnisse allein lösen noch keine Investitionsentscheidungen aus. Politische Massnahmen können ohne Produzenten, Abnehmer und Konsumenten nicht dauerhaft erfolgreich wirken.
Wenn sich Wissen, Nachfrage, Kapital, Produktion und politische Rahmenbedingungen gegenseitig stärken, entsteht ein gemeinsamer Nutzen. Der Soziator beschreibt dies als Komplementarität und Reziprozität: Jeder Beteiligte trägt zum Gesamtsystem bei und profitiert von dessen wachsender Stabilität.
Einfach ausgedrückt: Diese Form der Zusammenarbeit kann Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Vertrauen stärken.
4. Ohne Verbindlichkeit keine Verantwortung
Unsere Arbeit beginnt mit Beobachten, Analysieren, Interpretieren und Verstehen. Der erste Schritt ist deshalb nicht der vorschnelle Bau einzelner Anlagen, sondern eine interdisziplinäre und methodisch unabhängige Tragfähigkeitsstudie. Sie soll zeigen, was realistisch machbar ist, wo Investitionen sinnvoll sind und welche Voraussetzungen zuerst geschaffen werden müssen. Sie soll die Grundlagen schaffen, um:
- realistische Potenziale nach Fischarten, Produktionssystemen und Marktsegmenten zu erkennen.
- den Wasser-, Energie-, Futter- und Flächenbedarf ehrlich zu beurteilen.
- Tierwohl, Umweltwirkungen, Qualität und gesellschaftliche Akzeptanz systematisch zu bewerten.
- Produktion, Verarbeitung, Handel, Gastronomie, Forschung und Politik frühzeitig und verbindlich einzubeziehen.
- Investitionsentscheide auf belastbare Daten statt auf Hoffnungen zu stützen.
- Fortschritte transparent zu messen und aus Erfahrungen zu lernen.
Die Schweizer Fischwirtschaft hat ihre Importabhängigkeit schrittweise und realistisch reduziert, regionale Potenziale verantwortungsvoll genutzt und sich zu einem starken, innovativen und nachhaltigen Wertschöpfungssystem entwickelt.
Wir schaffen die Voraussetzungen für eine starke, wirtschaftlich tragfähige, ressourcenbewusste und zukunftsfähige Schweizer Süsswasserfischwirtschaft.
5. Unser gemeinsames Versprechen
- Wir legen keine Produktionsziele fest, bevor deren Tragfähigkeit geklärt ist.
- Wir machen Interessen, Risiken, Entscheidungen und Wirkungen transparent.
- Wir messen Erfolg nicht an Ankündigungen, sondern an wirtschaftlich und ökologisch tragfähiger Wertschöpfung, Resilienz und Vertrauen.
- Wir bauen auf dem vorhandenen Wissen und den Leistungen bestehender Organisationen auf.
- Wir behandeln Wasser, Energie, Futter, Fläche, Tierwohl und Umwelt nicht als Nebenthemen, sondern als zentrale Rahmenbedingungen und Gestaltungsaufträge.
- Wir wollen bestehende Akteure nicht konkurrenzieren, sondern ihre Wirkung durch eine verbindende Plattform stärken.
6. Eine Einladung an die Schweiz
Blaue Landwirtschaft Schweiz ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern eine Initiative im Aufbau und ein gemeinsamer Lern- und Entwicklungsraum. Die geplante Genossenschaft soll die notwendige Verbindlichkeit schaffen und sich langfristig zu einem nationalen Kompetenz-, Innovations- und Umsetzungscluster entwickeln.
Wir laden alle ein, die Verantwortung übernehmen, Wissen teilen und gemeinsam handeln wollen. Denn jeder zusätzliche Schweizer Fisch soll mehr bedeuten als zusätzliche Produktion: Er soll für sorgfältigen Ressourceneinsatz, faire Wertschöpfung, sichere Versorgung und Vertrauen in die Zukunft stehen.
Nachhaltige Entwicklung beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, Beziehungen aufbauen, Wissen teilen und gemeinsam handeln.
Die fachlichen Grundlagen und die Begründung der Tragfähigkeitsstudie sind im separaten Positionspapier 2026 dokumentiert.
